Weiterbildung
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Innendämmung: Was macht Sinn und wo sind die Grenzen des Sinnvollen?

Am Dienstag, den 3. Februar veranstaltete die ökologische Bauberatung des Oekozenter Pafendall ein Seminar zum Thema: Innendämmung: Was macht Sinn und wo sind die Grenzen des Sinnvollen?

Zur Teilnahme an der Podiumsdiskussion wurden der Staatssekretär vom MDDI Camile Gira, die Architektin Christina Mayer vom Service des Sites et Monuments, die Architektin und Energieberaterin Christiane Conrady von myenergy, der Architekt Steve Weiland als Vertreter vom Ordre des architectes und der Energieberater Marc Neu vom Réidener Energieatelier, eingeladen.

Architektin und Bauschadensgutachterin Silke Sous aus dem Aachener Institut für Bauschadensforschung und angewandte Bauphysik (AIBau) hielt den einführenden Vortrag zum Thema «Baupraktische Detaillösungen für Innendämmungen bei hohem Wärmeschutzniveau». Hierbei wurde die Problematik der Innendämmung aus bauphysikalischer und ausführungsplanerischer Sicht erläutert. Die Referentin bezog sich dabei auf die Anforderung der Deutschen Energieeinsparverordnung von 2009, entsprechend der ein Wärmedurchgangskoeffizient von 0,35 W/(m²K) erreicht werden musste. Eine von ihrem Institut ausgeführte Studie von entsprechend innengedämmten Gebäuden belegte, dass bei sachgemäßer und fachkundiger Planung / Ausführung der Einbau einer solchen Innendämmung schadensfrei bleibt. Die Mindestanforderung von 0.40 W/(m²K), die laut großherzoglichem Règlement „concernant la performance énergétique des bâtiments d’habitation“ von 2010 gefordert ist, ist demnach unkritisch in der Umsetzung.

Höhere Dämmziele verschärfen hingegen das Schadensrisiko und sind zumeist mit ökologischen respektive kapillaraktiven also feuchteregulierenden Dämmstoffen nicht zu erreichen. Weshalb der finanzielle Anreiz der im Förderprogramm Prime House 2013-2016 geschaffen wurde, um mit der Innendämmung weit darüber hinausgehende Dämmwerte zu erzielen, kritisch hinterfragt werden muss. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass der finanziellen Förderung eine Energieberatung voraus gehen muss, die die Schadensfreiheit der Dämmmaßnahme garantieren soll.

Die Referentin empfahl diesbezüglich bei dem rechnerischen Nachweis für die Schadensfreiheit der Dämmmaßnahme, alle im Bauteil vorhandenen Feuchteströme zu berücksichtigen und dies nicht nur unter stationären Bedingungen.

Jedoch wurde festgestellt, dass die Ausgangsdaten für eine solche Berechnung oft theoretischer und entsprechend ungenauer Natur sind, wodurch das Resultat verfälscht wird. Um diesem Manko zu begegnen, müsste also eine messtechnische Bestandsaufnahme des Gebäudes im Vorfeld der Ausführungsplanung unternommen werden. Eine solche Herangehensweise entspricht allerdings nicht der gängigen Praxis und der Nachweis für die Schadensfreiheit der Dämmmaßnahme ist demnach nicht gegeben.

Was die Dämmwerte von Außenwänden alter, traditioneller Wohnbauten anbelangt, wurde in Untersuchungen der Uni Luxemburg festgestellt, dass die Annahmen meist zu pessimistisch sind. Eine mögliche Erklärung hierfür ist nach Meinung des „Service des Sites et Monuments“, dass die alten in der Regel aus Bruchstein errichteten Gebäude in Luxemburg im europäischen Vergleich handwerklich sehr gut ausgeführt sind und eine verhältnismäßig hohe Qualität der Bausubstanz aufweisen. Man geht deswegen davon aus, dass gegenüber den industriell-präfabrizierten Ziegelhäusern der ersten Stunde, bei solchen Gebäuden oftmals die wirtschaftlich effektivste Form der energetischen Sanierung bereits die Dämmung des Daches ist.

Wirtschaftlich effektiv ist auch, unter Beachtung der Problematik der Wärmebrücken, nur die tatsächlich beheizten Räume des Hauses von innen zu dämmen.

Weiter wurde über die Berücksichtigung der Lebenszyklusanalyse der Dämmstoffe diskutiert, wobei hier schnell die Diskrepanz zwischen den gängigen Berechnungsannahmen von 40 Jahren und den aus ökologischer Sicht anstrebenswerten langfristigeren Berechnungszeiträumen, festgestellt wurde.

Das Förderreglement Prime House 2013-2016 endet 2016. Ein neues Förderprogramm soll anschließend für Bestandsgebäude eingeführt werden. Hierbei werden nicht mehr allein die bestmöglichen Dämmwerte gefördert (Stichwort: U-Wert-Olympiade) sondern es wird vielmehr eine ganzheitlichere Ökobilanzierung anvisiert. So wird von der Regierung das Ziel verfolgt ökologischere und gesundheitlich unbedenkliche Dämmstoffe zu fördern. Zudem soll es unter Umständen möglich sein bei der Bilanzierung der Primärenergie auch die auf erneuerbare Energie basierende Anlagentechnik miteinfließen zu lassen und somit eventuell schwächer gedämmte Bauteile zu kompensieren.

Rund 70 Fachleute und Interessierte aus unterschiedlichen Bereichen nahmen am Seminar teil.

 

 

 

 

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